Hitzefrei am Arbeitsplatz? Das müssen Sie als Arbeitgeber beachten.

Maßgeblich für den Umgang mit Hitze in Arbeitsräumen sind die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung und der technischen Regel für Arbeitsstätten „ASR A3.5 Raumtemperatur“. 

Der Arbeitgeber muss den Arbeitsplatz so einrichten, dass keine Gefährdungen durch Hitze vom Arbeitsplatz ausgehen, § 3a ArbStättV. Er muss für eine »gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur« sorgen.

1. Raumtemperatur = +26 °C

Die ASR A3.5  führt unter der Nr. 4.2 aus, dass die Lufttemperatur in folgenden Räumen +26 °C nicht überschreiten soll: 

  • Arbeitsräume,
  • Pausenräume,
  • Bereitschaftsräume,
  • Toilettenräume,
  • Sanitärräume,
  • Kantinenräume und 
  • Erste-Hilfe-Räume.  

Führt die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einer Erhöhung der Raumtemperaturüber +26°C, so soll der Arbeitgeber diese Bauteile mit geeigneten  Sonnenschutzsystemen (Jalousien, Sonnenschutzverglasungen)  ausrüsten.  

Es kann der Fall eintreten, dass die Außenlufttemperaturen über +26°C liegt, bereits Sonnenschutzsysteme verwendet werden und die Raumtemperatur dennoch auf +26°C steigt.  Dann soll der Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen treffen. Die ASR A3.5 nennt beispielhaft nachfolgende Maßnahmen: 

  • effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z.B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten),
  • effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z.B. Nachtauskühlung),
  • Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z.B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben),
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden,
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung,
  • Lockerung der Bekleidungsregelungen und
  • Bereitstellung geeigneter Getränke (z.B. Trinkwasser).


2. Raumtemperatur = +30 °C

Bei Überschreitung der Lufttemperatur im Raum von +30°C muss der Arbeitgeber wirksame Maßnahmen zur Verringerung der Hitze ergreifen, welche die Beanspruchung  der  Beschäftigten  reduzieren (siehe bspw. Maßnahmenkatalog oben). Für diese Maßnahmen gilt wie immer das TOP-Prinzip, d.h. technische und organisatorische Maßnahmen gehen personenbezogenen Maßnahmen vor.

3. Raumtemperatur = +35 °C

Wird die Lufttemperatur im Raum von +35°C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne

  • technische Maßnahmen (z.B. Luftduschen, Wasserschleier),
  • organisatorische Maßnahmen (z.B. Entwärmungsphasen) oder
  • persönliche Schutzausrüstungen (z.B. Hitzeschutzkleidung),

wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet.

Die unter 1. angeführten Maßnahmen sind Vorschläge, d.h. der Arbeitgeber kann auch andere Maßnahmen zur Senkung der Raumtemperatur ergreifen. Er sollte jedoch in jedem Fall tätig werden, denn auch in einem überwärmten Büroraum können gesundheitliche Störungen wie Hitzeerschöpfung oder Hitzekollaps auftreten. Deren Anzeichen sollten rechtzeitig erkannt und Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. In der ASR A3.5 wird ausdrücklich vor Gesundheitsschäden aufgrund von Arbeiten bei über +26°C gewarnt. Diese Gesundheitsschäden können z.B. auftreten, wenn 

  • schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist,
  • besondere Arbeits- oder Schutzbekleidung getragen werden muss, die die Wärmeabgabe stark behindert oder
  • hinsichtlich erhöhter Lufttemperatur gesundheitlich Vorbelastete und besonders  schutzbedürftige Beschäftigte (z.B. Jugendliche, Ältere, Schwangere, stillende Mütter) im Raum tätig sind.


Fazit:

Ein Recht auf Hitzefrei gibt es nicht. Jedoch ist der Arbeitgeber verpflichtet, Maßnahmen zur Senkung der Raumtemperatur zu ergreifen, wenn die Raumtemperatur +26°C überschreitet. Ergreift der Arbeitgeber keine Maßnahmen und wird aufgrund der hohen Raumtemperatur die Gesundheit der Beschäftigten gefährdet, können die Beschäftigten berechtigt sein, den Arbeitsplatz (zeitweise) zu verlassen.