Klimapfade 2.0 – BDI veröffentlicht umfangreiches Studienprojekt

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat mit Klimapfade 2.0 eine anspruchsvolle Studie veröffentlicht, mit der er auf das neue Klimaschutzgesetz der Bundesregierung antwortet und konkrete Ziele und Handlungsempfehlungen für Politik und Industrie formuliert.

Zusammen mit 150 Experten von Boston Consulting Group und rund 80 Unternehmen hat der BDI zwischen März und September 2021 an einem Wirtschaftsprogramm für Klima und Zukunft gearbeitet, das diese Woche veröffentlicht wurde (Klimapfade 2.0 finden Sie hier).

Klimapfade 2.0 umfasst 12 große Zielpunkte und enthält ein konkret ausgearbeitetes Zukunftsprogramm für die deutsche Wirtschaft. Die Studie zeigt auf, welche Investitionen in den nächsten Jahren konkret getroffen werden müssen, damit die von der Politik gesteckten Ziele erreicht werden können. Dabei muss mit Mehrinvestitionen von 860 Mrd. € bis zum Jahr 2030 gerechnet werden, rund 100 Mrd. € pro Jahr und knapp 2,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Trotzdem soll die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und die Industriestruktur erhalten bleiben.

Jedoch nicht nur die konkreten Investitionen und Umstrukturierungen werden thematisiert. Auch ein sozialer Ausgleich ist Thema. Die Umstellung auf klimafreundliche/-neutrale Energiegewinnung wird nicht nur die Wirtschaft und Industrie betreffen, sondern auch private Haushalte. Für diejenigen Haushalte, die nicht auf emissionsarme Technologien umsteigen (können), ist mit einem jährlichen Mehraufwand von 20-30 Mrd. € zu rechnen. Dieser Mehraufwand muss politisch und finanziell aufgefangen werden, um nicht zuletzt soziale Ungerechtigkeiten ausgleichen zu können. Das bedeutet rund 50 Mrd. € zusätzlicher Ausgaben für den Fiskus.

Die gute Nachricht ist: Auch wenn es sich um eine historische Mammutaufgabe handelt, sind für die meisten möglichen und notwendigen Schritte Lösungswege vorhanden und die erforderlichen Technologien bereits bekannt. Es handelt sich also um ein hohes, aber erreichbares Ziel.

Konkret geht es um die Halbierung unserer Emissionen gegenüber dem Jahr 2019 in einem engen rechtlichen Korsett. Dafür ist neben einem umfassenden Umbau unseres Energiesystems auch eine Revolution im Gebäude- und Fahrzeugbestand sowie der Infrastruktur und einem Großteil der produzierenden Wirtschaft unabdingbar.

Wie man Treibhausgasneutralität bis 2045 erreichen kann, stellt die Studie anhand mehrerer Statistiken und Untersuchungen dar. Neben diesen aktuellen Statistiken und der momentanen Verteilung der Energieproduktion in Industrie, Verkehr und Gebäude wurden zukunftsweisende Ziele erarbeitet, die erreicht werden müssen, um die Treibhausgasneutralität zum anvisierten Zeitpunkt zu erreichen. Strom soll der neue Energieträger in diesem Prozess werden und die neuen Verbraucher wie z.B. Wärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen oder Carbon Capture werden zu einer Verdopplung des Nettostromverbrauchs bis 2045 führen.

Auch die internationale Bedeutung des Klimaschutzes spricht Klimapfade 2.0 an. Man ist sich bewusst, dass ein wirksamer Klimaschutz nur durch internationale Zusammenarbeit möglich wird und hofft, dass Deutschland eine „Vorreiterrolle“ einnehmen kann.

Zudem werden deutliche Handlungsaufträge an die Politik formuliert und die neue Regierung in die Verantwortung gerufen. Ein Zögern – so heißt es – würde entweder dazu führen, dass die gesteckten Ziele nicht erreicht werden können oder die nötigen Investitionen noch um ein Vielfaches steigen.

Auch wenn es sich um das größte Transformationsprojekt der Nachkriegszeit handelt, so ist es dennoch nicht beispielslos. Bereits der deutsche Wiederaufbau im Rahmen des Marshall-Plans (1948-1951) sowie der Aufschwung Ost (1990-2003) waren mit riesigen Staatsausgaben verbunden und umfassten zum Teil rund 1,3 – 3,6 Prozent des damaligen Bruttoinlandprodukts.

Wir freuen uns darauf, diesen Prozess in einer juristisch herausfordernden Zeit an Ihrer Seite zu begleiten.

Autoren: Michelle Hoyer
                 Katharina Lakisa