Liegt die Zukunft der Energiegewinnung auf der Straße?

Straßenflächen machen in Deutschland rund 2,6 Prozent aus. Die Überdachung von Autobahnen mit Photovoltaikanlagen birgt somit ein enormes Potential für die Stromerzeugung. Neben der solaren Energiegewinnung sehen Forscher weitere positive Nebeneffekte wie Lärmvermeidung und Schutz des Asphalts. Ein Pilotprojekt soll die Praxistauglichkeit untersuchen.

Knapp 13.000 Kilometer Autobahn, mit einer Größe von rund 312 Quadratkilometern ziehen sich durch Deutschland, Platz vier im internationalen Vergleich. Diese Fläche könnte sinnvoll und effizient durch eine Überdachung mit Photovoltaikanlagen genutzt werden.

Das internationale Pilotprojekt des Austrian Institute of Technology (AIT) will dieser Idee nachgehen und in einem ersten Schritt durch die Entwicklung passender Module und entsprechender Trägerkonstruktionen einen Entwurf für einen Prototypen ausarbeiten. Geplant sind statt Tunnel, teiltransparente Module, die lichtdurchlässig sind – auch wenn diese geringfügig die Effizienz reduzieren.

Im zweiten Teil soll dieser Prototyp ein Jahr lang an einer deutschen Autobahnraststätte betrieben und wissenschaftlich getestet werden. Die Testphase soll Erkenntnisse hinsichtlich der vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen einer solchen Anlage liefern, wie z. B. der Wind- und Schneelast, der Verkehrssicherheit als auch der Stand- und Anprallsicherheit und der Wartungsmöglichkeiten, um diese zu lösen.

Ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), das bereits seit mehreren Jahren an einer Einbettung von Solarmodulen in und an Verkehrswegen forscht. Diese sehen durch die Nutzung bereits versiegelter Flächen vor allem einen Vorteil in einer kurzen Anbindung für den Netzanschluss, sowie einen geringeren Aufwand für Aufbau, Verlegung und Installation. Hinzukommt, dass der Straßenbelag vor Niederschlägen und Überhitzung geschützt wird und bei geeigneter Konstruktion auch ein Lärmschutz geschaffen wird. Demgegenüber liegt die größte Herausforderung in der Gewähr der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, insbesondere wie Einsatzkräfte im Falle eines Unfalls Verletzungsopfer bergen können. Auch Wartungs- und Reparaturmöglichkeiten während des laufenden Autobahnbetriebs sind zu prüfen.

Ob das Solardach für die Autobahn innerhalb einer Kosten-Nutzen-Betrachtung die Nase vorn hat oder ob die Energiegewinnung durch Solarzellen direkt im Straßenbelag oder integriert in Lärmschutzwänden, bleibt abzuwarten. Infos zu diesem spannenden Projekt finden Sie hier.