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JUVE-Award Preisverleihung im Live-Stream

Am Donnerstag dieser Woche wird der JUVE-Award verliehen, dies können Sie im Live-Stream verfolgen und RGC die Daumen drücken!

Das renommierte Rechtsmarkt-Magazin JUVE (www.juve.de) nominiert jährlich die besten Anwälte und Kanzleien nach Rechtsgebieten. Zwar ist RGC bereits seit Jahren regelmäßig im Ranking für das Thema Energie vertreten, in diesem Jahr wurden wir jedoch erstmalig für einen Award im Bereich „Regulierte Industrien“ nominiert (RGC berichtete).

Am 28.10.2021 werden die Gewinner der JUVE-Awards im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in der Alten Oper in Frankfurt bekannt gegeben, hier wird RGC vertreten von Frank Ritter, Prof. Dr. Kai Gent, Jens Nünemann und Tanja Körtke. Wer uns die Daumen drücken möchte, kann die Veranstaltung im Live-Stream über die Webseite von Juve verfolgen: https://juveawards.juve-veranstaltungen.de/

Eine kleine Verlosung gibt es noch hier: https://juveawards.juve-veranstaltungen.de/2021/09/29/verlosung-wie-schauen-sie-den-juve-awards-livestream/

Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen Netzumlagen für 2022

Pünktlich zum 25.10 haben die vier deutschen Netzbetreiber auch in diesem Jahr die Netzumlagen für das nächste Jahr bekanntgegeben.

Bereits in der letzten Woche haben wir Sie über die neu veröffentlichte Preishöhe der EEG-Umlage für 2022 informiert (RGC informierte). Nun haben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber auch die Netzumlagen auf die Letztverbräuche für das Jahr 2022 veröffentlicht. Eine Preissenkung gegenüber den Vorjahren, wie bei der EEG-Umlage, ist leider nicht zu verzeichnen.

Im Gegenteil: die KWKG-Umlage steigt im Vergleich zum Vorjahr von 0,254 ct auf 0,378 ct und wird damit auf dem dritthöchsten Stand seit 2013 sein.

Auch die Offshore-Netzumlage steigt, jedoch nur leicht von 0,395 ct in 2021 auf 0,419 ct für 2022.

Einen ähnlich geringen Anstieg verzeichnet die § 19 StromNEV-Umlage von 0,432 ct auf 0,437 ct.

Der neue Trading Hub Europe – Ein deutschlandweites Gasmarktgebiet

Seit dem 1. Oktober dieses Jahres gibt es in Deutschland ein einheitliches Marktgebiet für Gas. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Gaswirtschaft in Deutschland beginnt und bringt einige Veränderungen.

Auf Grundlage der Novellierung der Gasnetzzugangsverordnung im Jahr 2017 wurde an der Bildung eines einheitlichen Marktgebietes in Deutschland gearbeitet (RGC berichtete). Mit der Zusammenlegung der bisherigen Marktgebietsverantwortlichen GASPOOL Balancing Services GmbH (GASPOOL) und NetConnect Germany GmbH & Co. KG (NCG) wurde nun der finale Schritt getan.

Seit dem 1. Juni 2021 sind die beiden Unternehmen bereits gesellschaftlich in der GASPOOL aufgegangen und in Trading Hub Europe GmbH (THE) umbenannt worden. Die THE betreibt nun seit dem 1. Oktober 2021 das gesamte Marktgebiet.

Für die Marktteilnehmer erhofft man sich dadurch insbesondere Vorteile im Hinblick auf einen vereinfachten Netzzugang und vereinfachte Prozesse. Diese sollen beispielsweise dadurch gewährleistet werden, dass sich Kunden-, Daten- und VHP-Portale an den Marktpartner orientieren werden.

Da es nur noch einen Marktgebietsverantwortlichen gibt, werden Abstimmungsprozesse vereinfacht und Bilanzkreisverantwortliche müssen zukünftig nur noch einen Bilanzkreisvertrag abschließen. Zudem sollen einheitliche deutschlandweite Preise, zum Beispiel für Entgelte und Umlagen, realisiert werden. Ein Abschluss neuer Bilanzverträge ist nicht notwendig, da bestehende Vertragsbeziehungen auf die THE übergegangen sind. Dennoch können sich Änderungen in den Verträgen, insbesondere im Hinblick auf Bezüge zu den Marktgebieten und den Bilanzkreisen ergeben.

Der THE wirbt mit einer möglichen Preissenkung durch das einheitliche Marktgebiet. Kritische Stimmen halten jedoch auch einen weiteren Preisanstieg für möglich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preissituation tatsächlich entwickelt.

Als Folge der Änderung fordern immer mehr Gaslieferanten die Unterzeichnung von Vertragsnachträgen durch ihre Kunden. Diese Vertragsnachträge sollten Sie jedoch keinesfalls voreilig unterzeichnen. Vergewissern Sie sich zunächst, dass Sie vollumfänglich mit allen Inhalten des Nachtrags einverstanden sind. Selbstverständlich unterstützen wir Sie gern bei der Prüfung solcher Vertragsnachträge.

Weitreichende Änderungen im Bereich der Fernwärme- und Fernkälteversorgung

Aktuelle Änderungen betreffen sowohl die AVBFernwärmeV und sehen darüber hinaus die Schaffung einer neuen Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung – FFVAV vor.

Mit der neuen „Verordnung zur Umsetzung der Vorgaben zu Fernwärme und Fernkälte in der Richtlinie (EU) 2018/2002 sowie in der Richtlinie (EU) 2018/2001“ sind Anfang Oktober umfangreiche Änderungen im Bereich der Fernwärme- und Fernkälteversorgung in Kraft getreten. Die Verordnung beinhaltet in Artikel 1 die „Verordnung über die Verbrauchserfassung und Abrechnung bei der Versorgung mit Fernwärme oder Fernkälte (Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung – FFVAV)“ und in Artikel 2 eine „Änderung der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV)“.

Die als Verordnung erlassene AVBFernwärmeV wird im Falle von Fernwärme oder -kältelieferungen Bestandteil des Liefervertrages. Für Industrieunternehmen gilt diese nach § 1 Abs. 2 grds. zunächst einmal nicht, sie kann aber ganz oder teilweise im Individualvertrag einbezogene werden. 

Tiefgreifende Änderungen gibt es insbesondere bei der AVBFernwärmeV. Gemäß des neuen § 1a der AVBFernwärmeV unterliegen Fernwärmeversorgungsunternehmen nunmehr der Pflicht zur Veröffentlichung der Versorgungsbedingungen und der Netzverluste. Noch bedeutender dürften allerdings die Vorgaben des neuen § 3 der AVBFernwärmeV sein. Danach müssen Versorgungsunternehmen ihren Kunden die Möglichkeit einräumen, die vereinbarte Wärmeleistung ohne Nachweise einmal jährlich mit einer Frist von vier Wochen anzupassen, sofern sich die Leistung nicht um mehr als 50 Prozent reduziert. Sofern der Kunde belegt, dass die Leistung durch den Einsatz erneuerbarer Energien ersetzt werden soll, kann er die vereinbarte Leistung sogar um mehr als 50 Prozent reduzieren oder den Versorgungsvertrag mit einer zweimonatigen Frist kündigen. Bisher konnte der Kunde in solch einem Fall lediglich die Vertragsanpassung verlangen.

Die alte Fassung der AVBFernwärmeV ermöglichte es Fernwärmeversorgungsunternehmen zudem, den im Wärmeliefervertrag vereinbarten Preisanpassungsmechanismus durch öffentliche Bekanntgabe einseitig anzupassen. Nunmehr ist § 24 AVBFernwärmeV durch den Zusatz ergänzt worden, dass die Änderung der Preisänderungsklausel nicht einseitig durch öffentliche Bekanntgabe erfolgen darf. Das hat zur Folge, dass Preisänderungsklauseln künftig nur durch übereinstimmende Willenserklärungen, also etwa mittels persönlichen Anschreibens des Kunden und dessen Zustimmung, geändert werden dürfen. Diese Anpassung hat allerdings keine Auswirkungen auf Preisänderungen, welche nur die vereinbarte Preisänderungsformel vollziehen. Solche Preisänderungen sind im Rahmen der Vorgaben des konkreten Wärmeliefervertrages weiterhin möglich. 

Mit der neuen Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung – FFVAV werden Vorgaben für die Messung und Abrechnung des Verbrauchs von Fernwärme und Fernkälte durch ein Versorgungsunternehmen normiert. Die FFVAV setzt im Wesentlichen die Vorgaben der Energieeffizienzrichtlinie (EU) 2018/2002 um. Die Energieeffizienzrichtlinie zielt unter anderem darauf ab, Energiekunden durch die Bereitstellung verbesserter Informationen über ihren tatsächlichen Energieverbrauch zu sensibilisieren. Hierzu müssen nunmehr auch Versorgungsunternehmen im Bereich der Fernwärme und Fernkälte Messeinrichtungen verwenden, die nicht nur den mess- und eichrechtlichen Vorschriften entsprechen, sondern auch den tatsächlichen Fernwärme- und Fernkälteverbrauch des Kunden präzise angeben. Eine Verbrauchserfassung mittels Schätzung darf nach dem neuen § 3 FFVAV nur dann erfolgen, wenn das Versorgungsunternehmen aus Gründen, die es nicht zu vertreten hat, an der Messung gehindert ist.

Abgesehen davon müssen Messeinrichtungen, die künftig installiert werden, gemäß des neuen § 3 Absatz 3 FFVAV fernablesbar sein. Bereits installierte, nicht fernablesbare Messeinrichtungen müssen bis Ende 2026 mit dieser Funktion nachgerüstet oder durch fernablesbare Messeinrichtungen ersetzt werden. Die Kosten für die Installation fernablesbarer Zähler können auf den Kunden umgelegt werden, sofern das Versorgungsunternehmen dem Kunden die Kosten unter Berücksichtigung möglicher Einsparungen verständlich darlegt.

Darüber hinaus enthalten die neuen §§ 4 und 5 FFVAV Vorgaben zu den Abrechnungen, welche die Form, das Abrechnungsintervall (mindestens einmal jährlich) sowie den Inhalt und die Transparenz der Abrechnungen betreffen. Neben den Informationen über die für den Kunden geltenden Preise und dem tatsächlich abgerechneten Verbrauch müssen künftig u. a. Informationen über den aktuellen Anteil der eingesetzten Energieträger und der eingesetzten Wärme- oder Kältegewinnungstechnologien im Gesamtenergiemix übermittelt werden. Zudem müssen die mit dem Energiemix verbundenen jährlichen Treibhausgasemissionen angegeben werden. Diese Verpflichtung gilt bei Systemen mit einer thermischen Gesamtleistung unter 20 MW allerdings erst ab Januar 2022. Wenn fernablesbare Messeinrichtungen installiert sind, müssen die Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen dem Kunden auf Verlangen oder wenn der Kunde seine Abrechnung elektronisch erhält, mindestens vierteljährlich und ansonsten mindestens zweimal im Jahr zur Verfügung gestellt werden. Ab Januar nächsten Jahres müssen die Informationen dann monatlich zur Verfügung gestellt werden.

Im Ergebnis lässt sich erkennen, dass die Modalitäten im Bereich der Fernwärmeversorgung damit ein Stück weit den bereits wesentlich ausdifferenzierter und verbraucherorientierter geregelten Bereichen Strom- und Gas angeglichen werden. Die betrifft z.B. die fernablesbaren Messeinrichtungen und die künftig erforderlichen Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen, z.B. zum Energieträgermix, die uns deutlich an § 42 EnWG erinnern. 

Autor: Tanja Körtke (RGC)
            Dr. Franziska Lietz (RGC)

VEA-Preisindex vom 18.10.2021

Großhandel spielt verrückt – Einige
Lieferanten erstellen keine Angebote mehr

Der VEA-Preisindex ist ein 14-tägiger Service des VEA Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (e. V.)

Preistrend

Dienstag, der 05.10.2021, wird in die Geschichtsbücher eingehen: An diesem Tag sind die Terminprodukte mit den historisch höchsten Preisen aus dem Handel gegangen. Seit diesem Höchststand sind die Preise zwar zurückgegangen, aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Für Unternehmen, die aktuell noch einen Strom- und/oder Gaslieferanten für das kommende Jahr suchen, sind dies keine guten Nachrichten. Die am Markt angebotenen Preise führen zu extrem hohen Kosten. Dies kann auch eine Absenkung der EEG-Umlage um fast 3 Ct/kWh oder 30 €/MWh nicht abfedern. Was die Situation für die Unternehmen aber noch bedrohlicher macht, ist die Tatsache, dass viele Lieferanten die Angebotserstellung komplett eingestellt haben. 

Nach unserer Marktbeobachtung gilt: Je größer der Energiebedarf des Kunden, umso ambitionierter wird es überhaupt, einen Lieferanten zu finden, der dem Kunden ein belastbares Lieferangebot unterbreitet. Wenn sich diese bedrohliche Situation nicht bald entschärft oder sich die Entwicklung sogar noch verstärkt, dann müssten einige Unternehmen im Worst Case ihre Produktion einstellen. Wir können die aktuell extrem herausfordernde Situation bedauerlicherweise nicht ändern, sondern können nur unsere Kontakte in die Versorgungswirtschaft dazu nutzen, den Schaden zu minimieren und für alle Kunden eine noch halbwegs erträgliche Lösung für die kurzfristige Energiebeschaffung zu finden.

Strompreisentwicklung

Aktuell wird das Baseprodukt 2022 bei etwa 135 €/MWh und das Peakprodukt 2022 bei 170 €/MWh gehandelt. Dies bedeutet einen weiteren Preisanstieg beim Base um 2 €/MWh und beim Peak um 8 €/MWh in den letzten zwei Wochen. Base 2023 kostet derzeit 86 €/MWh und Base 2024 liegt bei 72 €/MWh. Damit haben sich in den vergangenen 14 Tagen das Base 2023 und das Base 2024 um weniger als 5 €/MWh verändert.

Gaspreisentwicklung

Die Grafik zeigt für den Gasmarkt die Großhandelspreisentwicklung der letzten zwölf Monate für eine Bandlieferung in den Kalenderjahren 2022 bis 2024. Der Gaspreis 2022 liegt im Großhandel aktuell bei rund 58 €/MWh. Damit ist der Gaspreis gegenüber dem Stand von vor zwei Wochen um rund 1 €/MWh gestiegen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres wurde das Base 2022 bei rund 15 €/MWh gehandelt, also 43 €/MWh günstiger als heute. Derzeit kostet Gas für die Belieferung in 2023 rund 31 €/MWh und in 2024 rund 24 €/MWh. Damit sind die Preise ungefähr auf dem Preisstand von vor 14 Tagen.

VEA Newsletter vom 18.10.2021

Die Preisentwicklung für Öl, Kohle und CO2-Zertifikate finden Sie mit weiteren Informationen des VEA aus der Energiewelt im aktuellen VEA-Newsletter, der hier zum Download bereitsteht.

Kontakt und Inhaltliche Verantwortung

Fragen zum VEA-Preisindex beantwortet Ihnen gern Herr GF Christian Otto (E-Mail: cotto@vea.de). Für die Inhalte des vorstehenden VEA-Preisindex ist ausschließlich der VEA verantwortlich.

Autor: Christian Otto (VEA)

EnWG-Novelle 2021 – Neue vertriebliche Vorgaben

Die EnWG-Novelle 2021 ist Ende Juli in Kraft getreten und hat unter anderem einige wesentliche Änderungen für die Tarifgestaltung und die Anforderungen an Verträge und Rechnungen im Strom- und Gasbereich zur Folge.

Gegenstand der umfangreichen Novelle ist neben der Regulierung der Wasserstoffnetze (RGC berichtete) oder neuen Entflechtungsvorgaben für den Betrieb von Ladeinfrastruktur eine Vielzahl von Neuerungen für Strom- und Gasrechnungen sowie Energielieferverträge mit Letztverbrauchern. Die Regelungen in den §§ 40 ff. EnWG wurden umfassend erneuert und durch sehr detaillierte Vorgaben ergänzt. Hintergrund sind u.a. die Umsetzung der EU-Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie (Richtlinie EU 2019/944) und Vorgaben zum Verbraucherschutz. Im Einzelnen:

Strom- und Gasrechnungen (§§ 40 ff. EnWG n.F.): Energielieferanten müssen die Verbrauchsermittlung bzw. dessen Darstellung und die Rechnungsinhalte an die neuen Vorgaben anpassen. Vorgeschrieben sind auch weitere Angaben in der Rechnung, wie z.B. Angaben zur Kontaktaufnahme, insbesondere der Kunden-Hotline, die Verbrauchsstellendetails, Vertragsdauer, Zählerstände und Vergleiche des bisherigen Verbrauchs (auch grafisch). Letztverbraucher haben zudem Anspruch auf regelmäßige kostenlose Übermittlung ihrer Verbrauchsdaten bzw. auf die Möglichkeit, elektronisch ihre Verbrauchshistorie einzusehen oder ihre Rechnung elektronisch übermittelt zu bekommen.

§ 40c EnWG n.F. regelt den Zeitpunkt und die Fälligkeit von Strom- und Gasrechnungen. Der Fälligkeitszeitpunkt wird vom Energielieferanten selbst bestimmt, tritt jedoch frühstens zwei Wochen nach Zugang der Zahlungsaufforderung ein. Der Energielieferant ist zudem verpflichtet, dem Letztverbraucher spätestens sechs Wochen nach Beendigung des abzurechnenden Zeitraums/nach Beendigung des Lieferverhältnisses eine Rechnung auszustellen und ein mögliches Guthaben zu verrechnen oder auszuzahlen. Dies entsprach auch bisher schon einer weit verbreiteten Praxis, wurde aber nun einheitlich und verbindlich für alle Lieferverhältnisse geregelt.

Auch die Regelung zu den Inhalten und Anforderungen an Energielieferverträge mit Letztverbrauchern (§ 41 EnWG n.F.) wurde umfassend verändert. So enthält die Neuregelung neben einem umfassenden Katalog erforderlicher Inhalte und Angaben u.a. Vorgaben dazu, ob und wie Energielieferanten die Preise oder Vertragsbedingungen einseitig anpassen dürfen.

Die einschneidendste Neuerung ist in § 41a EnWG n.F. zur Gestaltung der Stromtarife zu finden. Denn darin werden Stromlieferanten verpflichtet, lastvariable oder tageszeitabhängige Tarife (dynamische Tarife) anzubieten. Damit erhofft man sich Anreize für Energieeinsparungen zu setzen bzw. Anreize zur netzdienlichen Nutzung in Bezug auf die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien. Eine Pflicht zum Angebot von dynamischen Stromtarifen trifft die Stromlieferanten, die bis zum 31. Dezember eines Jahres mehr als 200.000 Letztverbraucher beliefern. Ab 2022 trifft diese Pflicht dann auch Lieferanten mit mehr als 100.000 Letztverbrauchern. 

Weitere umfangreiche ergänzende Vorgaben sind daneben für Energielieferverträge mit Haushaltskunden außerhalb der Grundversorgung aufgenommen worden. Neu ist hier u.a., dass die Bundesnetzagentur dafür sorgen muss, dass Haushaltskunden und Kleinstunternehmen (unter 100.000 kWh/Jahr) ein unabhängiges Vergleichsinstrument für den Vergleich von Stromlieferanten und -tarifen zur Verfügung steht (§ 41c EnWG n.F.).

Zudem wurde noch die Pflicht zur Stromkennzeichnung in Rechnungen an Letztverbraucher leicht angepasst; teilweise ist neben dem Gesamtenergieträgermix dann ggf. auch der Unternehmensverkaufsmix auszuweisen. Die jährliche Meldepflicht des Energieträgermixes an die BNetzA ist unverändert geblieben.   

Schließlich wurden mit § 42a EnWG n.F. noch Vorgaben für die Lieferung von Mieterstrom festgeschrieben.

Autoren: Tanja Körtke (RGC)
                Katharina Lakisa (RGC)

Dritte Klimaklage der Deutschen Umwelthilfe eingereicht

Die Deutsche Umwelthilfe hat gegen den deutschen Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea Klage eingereicht

In der vergangenen Woche reichten die Geschäftsführenden der Deutschen Umwelthilfe eine Klimaklage gegen den Energie-Riesen Wintershall Dea ein. Wintershall Dea entstand 2018 aus einem Zusammenschluss der Mineralöl- bzw. Erdgas-Sparten von BASF und RWE. Es ist einer der größten unabhängigen Öl- und Gaskonzerne Europas und somit jährlich für etwa 80 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. 

Wintershall Dea ist zudem finanziell an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, dem größten fossilen Projekt Europas, beteiligt. Die Deutsche Umwelthilfe forderte das Unternehmen auf, sich aus diesem Geschäft zurückzuziehen. Zudem forderte die Deutsche Umwelthilfe das Unternehmen dazu auf, sich zur Einhaltung eines Paris-kompatiblen CO2-Budgets zu verpflichten und spätestens ab 2026 keine neue Erdöl- bzw. Erdgas-Förderung mehr zu beginnen. Wintershall Dea reagierte auf die konkreten Forderungen mit ablehnender Haltung. Der Konzern plant sogar noch eine Ausweitung der Erdgas- und Erdölproduktionen. 

Zuvor gab es zwei von der Deutschen Umwelthilfe angestrebte Verfahren, die auf dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts basieren (RGC berichtete). Eins der Verfahren ist gegen BMW und das andere gegen Mercedes-Benz gerichtet. Der Prozess gegen Wintershall Dea ist somit der dritte von der Deutschen Umwelthilfe angestrebte Prozess gegen ein deutsches Unternehmen auf Basis des Klimaurteils des Bundesverfassungsgerichts. 

Einem der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe zufolge sei die Klage gegen Wintershall Dea dringend nötig. Denn Wintershall Dea feuere die Klimakrise weiter an. Es sei überfällig, dass sich Konzerne mit solch schmutzigen Geschäftsmodellen der Realität und der Klimakrise stellen. Die Grundrechte von jungen Menschen und künftigen Generationen müssen geschützt werden. Hierfür seien verbindliche Reduktionspfade, mit denen die Klimaziele von Paris eingehalten werden können, erforderlich. 

Autor: Michelle Hoyer (RGC)

Europäisches Gericht bestätigt Nichtigkeit der früheren Netzentgeltbefreiung

Die von der EU-Kommission im Jahre 2018 festgestellte Nichtigkeit der Netzentgeltbefreiung in § 19 Abs. 2 S. 2 StromNEV a. F. wurde in erster Instanz gerichtlich bestätigt.

Hintergrund ist die im Jahr 2011 in § 19 Abs. 2 S. 2 Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) geschaffene Möglichkeit, große Stromverbraucher vollständig von den Stromnetzentgelten zu befreien, wenn der Jahresverbrauch 10 GWh und 7.000 Benutzungsstunden überstieg.

Gegen diese Regelung wurde von der EU-Kommission bereits im März 2013 ein europäisches Beihilfeprüfverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Im Mai 2018 hatte die EU-Kommission dann entschieden, dass die Netzentgeltbefreiung der Jahre 2012 und 2013 eine staatliche Beihilfe darstelle, da diese durch die § 19-Umlage finanziert werde (RGC berichtete).

Mehrere betroffene Unternehmen und die Bundesregierung waren vor das Europäische Gericht (EuG) gezogen und hatten den Beihilfecharakter der Netzentgeltbefreiung bestritten. Sie bezogen sich u.a. auf eine Entscheidung des EuG aus dem Jahr 2019, mit welchem das Gericht geurteilt hatte, dass Umlagen aus dem EEG 2012 keine staatliche Beihilfe darstellten und wollten diese Sichtweise auf die Netzentgeltbefreiung übertragen. Das EuG sah den Beihilfecharakter in Bezug auf die Netzentgeltbefreiung aber als gegeben an. Die Entscheidung vom 6. Oktober 2021 finden Sie hier

Die Netzentgeltbefreiung war kurz nach Eröffnung des Beihilfeverfahrens im Jahr 2014 abgeschafft und durch eine Neuregelung von § 19 Abs. 2 S. 2-4 StromNEV ersetzt worden, die nicht Gegenstand des vorgenannten Verfahrens ist. 

Autor Tanja Körtke (RGC)

VEA-Preisindex vom 04.10.2021

Strom- und Gaspreise auf Allzeithoch wann fallen die Preise wieder?

Der VEA-Preisindex ist ein 14-tägiger Service des VEA Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (e. V.)

Preistrend

in den vergangen 14 Tage sind die Preise weiter dramatisch gestiegen und haben neue Allzeithochs für das
jeweilige Frontjahr erreicht. Neben Strom und Gas hat
sich auch die Kohle im letzten Monat massiv verteuert.

Alleine in September haben sich die Großhandelspreise
für Strom und Gas um über 50% erhöht. Dies ist eine
Kostenexplosion, die fundamental nicht mehr zu erklären
ist. Auch wenn eine ähnliche Energiepreisentwicklung
weltweit zu beobachten ist, werden insbesondere die
energieintensiven Unternehmen vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Die Kosten für die Reduzierung der
CO2-Emssionen, für die sich alle Parteien stark machen,
sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Wir könnten an dieser Stelle wieder daraufhin weisen,
dass die Gasspeicher leer und die Gaspreise in Asien
noch höher sind, die weltweite Konjunktur nach der
Coronapandemie wieder an Fahrt gewinnt. Alle diese
Gründe sind wohl bekannt, machen die Situation für die
Unternehmen aber nicht leichter.

Auch die uns immer wieder gestellte Frage, wann denn
die Energiepreise mal wieder sinken, können weder wir
noch sonst jemand seriös beantworten. Es gibt keinen
Markt, in dem die Preise immer nur steigen, und auch
keinen Markt, indem die Preise immer nur fallen. Nur den
Zeitpunkt der Preisumkehr kennt niemand. Wie sollen
sich denn Unternehmen aufstellen, um sich gegen Preisausschläge abzusichern?


Tranchenbeschaffung schließt Preisausschläge aus


Mit einer tranchenweisen Beschaffung können sich die
Unternehmen gegenüber Preiskapriolen absichern. In
diesem Bereich haben wir zwei sehr interessante
Dienstleistungsangebote:

  •  VEA-Tranchenmanagement 
  • VEA-Aktiv

Während beim VEA-Tranchenmanagement eine auf das
jeweilige Unternehmen abgestimmte Beschaffungsstrategie von uns erarbeitet und umgesetzt wird, steht bei
VEA-Aktiv die Beschaffungsstrategie bereits fest. Hier
bündeln wir die Nachfrage von fast 1.000 Unternehmen
und kaufen zusammen zu äußerst günstigen Konditionen

en Strom- und Gasbedarf der Unternehmen in 12 Monatstranchen ein.
Wenn Sie Interesse an diesen Dienstleistungen
haben, wenden Sie sich bitte an Ihren VEA-Berater.

Strompreisentwicklung

Aktuell wird das Baseprodukt 2022 bei etwa
133,00 €/MWh und das Peakprodukt 2022 bei
162,30 €/MWh gehandelt. Dies bedeutet einen weiteren
Preisanstieg beim Base um 33,00 €/MWh und beim Peak
gar um 46,80 €/MWh in den letzten zwei Wochen. Base
2023 kostet derzeit 86,60 €/MWh und Base 2024 liegt bei
75,40 €/MWh. Damit haben sich in den vergangenen
14 Tagen das Base 2023 um 10,60 €/MWh und das Base
2024 um rund 6,40 €/MWh verteuert.

Gaspreisentwicklung

Der Gaspreis 2022 liegt im Großhandel aktuell bei rund
57,00 €/MWh. Damit ist der Gaspreis gegenüber dem
Stand von vor zwei Wochen um rund 16,80 €/MWh
gestiegen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres wurde
das Base 2022 bei rund 14,70 €/MWh gehandelt, also
42,30 €/MWh günstiger als heute. Derzeit kostet Gas für
die Belieferung in 2023 rund 31,70 €/MWh (Preisanstieg
um rund 6,50 €/MWh in den letzten 14 Tagen) und in
2024 rund 24,10 €/MWh (3,50 €/MWh teurer im Vergleich
zum Preisstand von vor 14 Tagen).

VEA Newsletter vom 04.10.2021

Die Preisentwicklung für Öl, Kohle und CO2-Zertifikate finden Sie mit weiteren Informationen des VEA aus der Energiewelt im aktuellen VEA-Newsletter, der hier zum Download bereitsteht.

Kontakt und Inhaltliche Verantwortung

Fragen zum VEA-Preisindex beantwortet Ihnen gern Herr GF Christian Otto (E-Mail: cotto@vea.de). Für die Inhalte des vorstehenden VEA-Preisindex ist ausschließlich der VEA verantwortlich.

ÜNBs starten Netzsaldo-Ampel

Das digitale Tool soll Erleichterung für Teilnehmer am Regelenergiemarkt bringen

Die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben eine sog. Netzsaldo-Ampel entwickelt und stellen diese den Teilnehmern am Regelenergiemarkt zur Verfügung. Die Ampel soll es den Marktakteuren ermöglichen, schneller als bisher auf Ungleichgewichte in ihren Bilanzkreisen zu reagieren.

Die ÜNBs optimieren gemeinsam die Vorhaltung und den Einsatz von Regelenergie im deutschen Stromnetz. Bislang wurden entsprechende Daten kurz nach Ablauf einer Viertelstunde veröffentlicht. Mit der neuen Ampel wird das Monitoring schneller, weil sie die Situation viertelstundengenau abbildet.

Die neue Netzsaldo-Ampel zeigt dabei die Situation in der Systembilanz in drei Stufen an: Bei unkritischem Saldo wird ein grünes Ampelsignal übermittelt. Bei erhöhten oder angespannten Saldi wird ein gelbes oder rotes Ampelsignal gesendet. Dabei wird auch angezeigt, ob zu viel Strom im System ist (Überdeckung) oder Strom fehlt (Unterdeckung). Die Marktteilnehmer können somit ihre eigenen Positionen bzw. Ungleichgewichte schneller erkennen und am Markt ausgleichen.

Weitere Informationen finden Sie hier.