Beiträge

Smart-Meter-Rollout: Anforderungen an Gateways gesenkt

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) senkt Sicherheitsstandards für Smart-Meter-Gateways

Bis zuletzt geht der Smart-Meter-Rollout nur sehr schleppend voran. Dies liegt u.a. daran, dass das BSI bisher nur ein einziges Smart-Meter-Gateway zertifiziert hat (RGC berichtete). Diesen zwingenden Zertifizierungsprozess müssen jedoch mindestens drei Gateways abschließen, bevor der Rollout eingeleitet werden kann.

Ein Smart-Meter-Gateway ist die Kommunikationseinheit eines intelligenten Stromzählers, welches die Messdaten von Zählern empfängt, speichert und diese für Marktakteure aufbereitet. Maßgeblich für dessen Zertifizierung ist u.a., dass das Smart-Meter-Gateway die Authentizität und die Vertraulichkeit bei Kommunikation und gesichertem Datenaustausch sicherstellen kann. So waren die Anforderungen für den sicheren Einsatz von intelligenten Messsystemen bisher in der technischen Richtlinie BSI TR-03109 vom 11. November 2015 enthalten. Diese Anforderungen dienten u.a. der Gewährleistung der Interoperabilität der verschiedenen in einem Smart-Metering-System vorhandenen Komponenten.

Jetzt will das BSI – vermutlich als Reaktion auf den stockenden Prozess – die Anforderungen an den einzuhaltenden Sicherheitsstandard der Gateways senken und veröffentlichte hierzu am 24. Januar 2019 eine neue technische Richtlinie BSI TR-03109-1 mit dem Titel „Anforderungen an die Interoperabilität der Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems Version 1.0.1“. Diese Richtlinie konkretisiert zum einen die Vorgänger-Richtlinie, zum anderen differenziert sie nunmehr hinsichtlich der Anforderungen nach unterschiedlichen Kommunikationseinheiten. Hierdurch erhofft sich das BSI eine Vereinfachung in der Entwicklung und anschließenden Zertifizierung eines Gateways. Dies wiederum würde die Energiewende, deren wesentlicher Bestandteil das sog. Smart Grid, also das intelligente Stromnetz und damit auch Smart Meter ist, spürbar vorantreiben. Ob die neue technische Richtlinie tatsächlich eine Vereinfachung mit sich bringt, bliebt jedoch abzuwarten.

Hinweis zur Einordnung und messtechnischen Abgrenzung von sog. Allgemeinstromverbräuchen im Rahmen der Eigenversorgung

Die Clearingstelle EEG/KWKG hat im Dezember 2018 einen Hinweis zur Einordnung von sogenannte Allgemeinstromverbräuche (insbesondere solche zur Beheizung bzw. Kühlung von Gebäuden sowie Gemeinschaftsflächenbeleuchtungen) im Rahmen einer Eigenversorgung aus EEG-Anlagen veröffentlicht.

In dem Hinweis geht
die Clearingstelle EEG/KWKG davon aus, dass unter weiteren
Voraussetzungen auch Allgemeinstromverbräuche als
(„personenidentischer“) Eigenverbrauch i.S.d. EEG angesehen werden
können.
Unter Allgemeinstromverbrauchseinrichtungen versteht sie dabei insbesondere solche,

  • in denen Strom zur Beheizung oder Kühlung von – nicht ausschließlich
    durch den Betreiber der Stromerzeugungsanlage genutzten –
    Gebäude(-teilen), z. B. für Wärmepumpen, Heizpatronen, Klimaanlagen oder
  • zur Gemeinschaftsflächenbeleuchtung oder zum Betrieb von Fahrstühlen genutzt wird.

Am
Ende des Hinweises sind Messaufbauten dargestellt, die eine
messtechnisch richtige Erfassung abbilden sollen. Dabei geht die
Clearingstelle auch schon auf die Neuregelung zur Drittmengenabgrenzung
und die ausnahmsweisen Schätzmöglichkeiten nach dem Ende letzten Jahres
in Kraft getretenen Energiesammelgesetz ein (RGC berichtete).

Letztlich
entscheiden die Gerichte über die Auslegung von Gesetzen. Hinweise der
Clearingstelle EEG / KWKG sind rechtlich nicht verbindlich.

Konsultationsverfahren zur Anwendung des MsbG auf Zahlungsansprüche nach dem EEG und KWKG

Die Clearingstelle EEG/KWKG hat im Dezember 2018 ein Empfehlungsverfahren eröffnet, bei dem es um die Frage geht, ob und wie sich Verstöße gegen den ordnungsgemäßen Messstellenbetrieb auf Zahlungsansprüche nach dem EEG und dem KWKG auswirken.

Bereits in der Vergangenheit hatte die Clearingstelle zwei Veröffentlichungen zu Anwendungsfragen des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) veröffentlicht. In der ersten Empfehlung vom 9. Mai 2017 ging es um die Frage, wer nach Inkrafttreten des MsbG für die Durchführung der Messung bei EEG-/KWK-Anlagen zuständig ist (RGC berichtete). Die zweite Empfehlung vom 14. Juni 2017 betraf den Einbau von intelligenten Messsystemen.

Mit dem nun eröffneten Verfahren (2018/33) will die Clearingstelle eine Empfehlung aussprechen, welche Rechtsfolgen Verstöße gegen die Anforderungen an die ordnungsgemäße Messung nach EEG, KWKG und MsbG haben. Dies betrifft vor allem auch die Frage, wie sich Verstöße auf die Zahlungsansprüche und das Recht auf (vorrangigen) Netzanschluss für Betreiber von EEG/KWK-Anlagen auswirken. Insbesondere die Fälle, dass gar keine (erforderliche) Messeinrichtung vorgehalten wird oder die vorhandene Messeinrichtung nicht geeicht ist, werden Gegenstand der Empfehlung sein.

Registrierte öffentliche Stellen und akkreditierte Interessengruppen können bis zum 11. März 2019 Stellung zu den aufgeworfenen Fragen nehmen.

Smart-Meter-Rollout: Es geht voran!

Erstes Smart-Meter-Gateway erhält Zertifizierung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

Laut BSI ist das Smart-Meter-Gateway der „Dreh- und Angelpunkt“ eines intelligenten Messsystems. Nach der Legaldefinition des § 2 Nr. 19 MsbG handelt es sich hierbei um die Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems. Dieses bindet die modernen Messeinrichtungen und weitere technische Einrichtungen wie insb. Erzeugungsanlagen nach dem EEG und dem KWKG zur Gewährleistung des Datenschutzes, der Datensicherheit und Interoperabilität unter Beachtung weiterer besonderer Anforderungen sicher in ein Kommunikationsnetz ein und verfügt über Funktionalitäten zur Erfassung, Verarbeitung und Versendung von Daten.

Das BSI hat jetzt das Smart-Meter-Gateway eines französischen Unternehmens, das digitale Dienste im Bereich der Authentifizierungs- und Datenschutztechnik erbringt, zertifiziert. Bei dem nunmehr zertifizierten Smart-Meter-Gateway handelt es sich um das Erste, das den zwingend notwendig Zertifizierungsprozess überhaupt erfolgreich abgeschlossen hat. Andere Unternehmen, beispielsweise die Power Plus Communications AG, mit Sitz in Mannheim, befinden sich weiterhin in diesem Prozess.

Maßgeblich für eine Zertifizierung ist u.a., dass das Smart-Meter-Gateway die Authentizität und die Vertraulichkeit bei Kommunikation und gesichertem Datenaustausch sicherstellen kann. Technische Details des ersten zertifizierten Smart-Meter-Gateways können Sie hier nachlesen.

BNetzA legt abweichende Vorgaben zum Messstellenbetrieb Gas fest

BNetzA legt mit der Festlegung zur Zuweisung, Ausgestaltung und Anpassung der Marktrollen im
Gassektor an die Erfordernisse des Gesetzes zur Digitalisierung der
Energiewende abweichende Vorgaben zum Messstellenbetrieb Gas fest.

Die BNetzA hat am 20. August 2018 ihre Festlegung zur Zuweisung, Ausgestaltung und Anpassung der Marktrollen im Gassektor an die Erfordernisse des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende erlassen und sich für das Netzbetreiber-Modell entschieden.

Hintergrund der Festlegung ist das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), welches zu teilweise umfangreichen Änderungen für die Zuständigkeiten und Prozesse im Messwesen geführt hat. Die BNetzA hatte daraufhin im Dezember 2016 ihre Festlegungen zum Messwesen sowohl im Bereich Strom als auch im Bereich Gas angepasst (RGC berichtete) und zunächst ein sog. Interimsmodell eingeführt. Im Bereich Gas betraf das die Festlegung der Beschlusskammer 7 vom 21. Dezember 2016 (BK7-16-142).

Die zuständige Beschlusskammer hatte im Rahmen der v.g. Festlegung bereits angekündigt, dass vor der Entscheidung für ein Zielmodell im Gassektor zunächst einige Vorfragen zu klären seien. Insbesondere müsse mit den Marktbeteiligten geklärt werden, wie die Aufgabenverteilung zwischen Messstellenbetreibern und Netzbetreibern bei der Erhebung, Aufbereitung  und Verteilung von Messwerten gestaltet werden sollte.

Das MsbG geht vom sog. Messstellenbetreiber-Modell aus. Damit obliegt es grundsätzlich dem Messstellenbetreiber, die Messwerte aufzubereiten und in dem gesetzlich geforderten Umfang an die zum Datenempfang berechtigten Stellen zu übersenden. Er fungiert damit als zentrale Instanz, die nicht nur zur Gewährleistung der Datenqualität, sondern auch für die Abwicklung eines effizienten Datenverteilungsprozesses zuständig ist. Dies stellt eine Abkehr vom früheren  System dar, bei dem der Netzbetreiber als zentrale Datendrehscheibe angesehen wurde. Wegen der Besonderheiten bei der Messung im Gassektor (z.B. Umrechnung der Messwerte anhand von Brennwerten) sieht das MsbG aber die Möglichkeit vor, von dem gesetzlichen System abzuweichen.

Die Beschlusskammer 7 hat im Anschluss an die Festlegung des Interimsmodells zwei Modelle vorgeschlagen und im Jahr 2017 ein Konsultationsverfahren durchgeführt. Zur Diskussion standen das Modell des MsbG (Messstellenbetreiber-Modell) und das Netzbetreiber-Modell.

Mit der nun getroffenen Festlegung (Az.: BK7-17-050) hat die Beschlusskammer 7 im Gasbereich dem Netzbetreiber zukünftig die Funktion der zentralen Datendrehscheibe zugewiesen. Damit wird im Gasbereich – anders als im Strombereich – der Netzbetreiber für die Erhebung, Aufbereitung und Verteilung der Messwerte zuständig sein. Im Strombereich bleibt es dabei, dass gemäß dem MsbG der jeweilige Messstellenbetreiber diese Aufgaben wahrnimmt.

Clearingstelle gibt Empfehlung zur Messung für EEG-Anlagen

Das EEG 2017 sieht in § 61k vor, dass für Strom, der in einer Saldierungsperiode zum Zweck der Zwischenspeicherung in einem elektrischen, chemischen, mechanischen oder physikalischen Stromspeicher verbraucht wird, sich der Anspruch auf Zahlung der EEG-Umlage in dieser Saldierungsperiode in der Höhe und in dem Umfang verringert, in der die EEG-Umlage für Strom, der mit dem Stromspeicher erzeugt wird, gezahlt wird.

Strittig war u.a. die Frage, wie die Begrenzung der Verringerung der EEG-Umlage gemäß § 61k EEG2017 ermittelt wird, insbesondere welche Messeinrichtungen und Messkonzepte erforderlich sind.

Zu diesen Fragen hat die Clearingstelle nun eine umfangreiche Stellungnahme veröffentlicht (Az. 2017/29 vom 28. März 2018). Die Clearingstelle kommt zu dem Ergebnis, dass unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen von § 61k EEG 2017 keine geeichte Messung erforderlich sei. Außerdem spricht die Clearingstelle verschiedene Empfehlungen zum Umgang mit Speicherverlusten und Differenzmengen aus.

Anbieter für wettbewerblichen Messstellenbetrieb

Seit einigen Jahren bereits ist der Messstellenbetrieb für Strom und Gas liberalisiert. In der Vergangenheit hatte der örtliche Netzbetreiber auch den Messstellenbetrieb in der Hand.

Seit der Liberalisierung können Letztverbraucher selbst entscheiden, ob sie die Dienstleistung der Messung und des Messstellenbetriebs mit einem sog. wettbewerblichen Messstellenbetreiber vereinbaren oder vom örtlichen Netzbetreiber erbringen lassen.